Sachen mit Wœrtern

Zeitschrift für Literatur und Ähnliches

Petrus Akkordeon

Pètrus °Akkordéon macht für Sachen mit Wœrtern aus und mit Wörtern Bilder. Der Berliner Künstler und Dichter hat zahlreiche Bücher illustriert und Kunstbücher gestaltet, unter anderem Warum ich drei bis vier Möwen sein möchte (Mückenschweinverlag, 2015), Eul doch (2014) und Odysseus habe ich nie gemocht (2014) bei der Corvinus-Presse sowie Gedichte und Zeichnungen (Andante Handpresse, 2013). 1999 rief er mit seinem Künstlerkollegen Georg Kakelbeck den Kunstkampfverlag ins Leben, der sich die Poetisierung des Alltags zum Projekt gemacht hat. So „verloren“ die beiden beispielsweise im Rahmen einer Kunstaktion Gedichte und Bilder in Briefumschlägen überall in Berlin. Als leidenschaftlicher Guerilla-Gärtner pflanzt Pètrus außerdem Blumen auf Verkehrsinseln und baut Gemüse auf Grün- und Brachflächen mitten in der Großstadt an.

Pètrus in der Presse:

http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2003/09/06/a0238
http://www.tagesspiegel.de/berlin/sauberesache/saubere-sache-zehlendorf/saubere-sache-in-steglitz-zehlendorf-der-garten-ist-die-stadt/10342338.html

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Fünf Fragen an Pètrus °Akkordéon

Für Sachen mit Wœrtern hast du seit der ersten Ausgabe zahlreiche wundervolle Bild-Wort-Synthesen geschaffen. Für uns ist der Moment, in dem wir deine neuen Zeichnungen das erste Mal zu Gesicht bekommen, immer einer der am meisten inspirierenden und motivierenden. Was ist für dich daran interessant, mit einem Literaturmagazin wie Sachen mit Wœrtern zusammenzuarbeiten?

Ich bin ja immer auf der Suche, meine Bilder, Texte und Gedanken zu platzieren. Mal stecke ich Gedichte in Mauerritzen, ein anderes Mal flüster ich eines einem Tier ins Ohr. Manchmal wird es eben gedruckt. Das finde ich natürlich auch sehr schön. Bei den Sachen mit Wœrtern gefällt mir vieles. auch gerade die Freiheit, die ihr einem gebt, das Vertrauen in mich, wie ihr damit spielerisch umgeht, das Heft, das Lebendige, das daraus wird, wenn die Lesungen geschehen.

Wie gehst du vor, wenn du das neue Titel-Thema von Sachen mit Wœrtern erfahren hast? Gibt es ein Brainstorming oder setzt du einfach in einer freien Minute den Stift an und zeichnest drauflos? Entstehen alle Bilder für eine Ausgabe in einem Rutsch oder eher in Schüben oder vollkommen zusammenhanglos? Wie greifen Sprache und Bild im Arbeitsprozess ineinander?

Sobald ich das Thema kenne, und da bin ich nicht besser dran als die Autorinnen, beginnt eine Phase des Ins-Thema-Fallens. Das Alltägliche färbt sich im Bezug zur künstlerischen Aufgabe. Alle Wortkombinationen spielen in meinem Kopf. Irgendwann die erste Zeichnung, die ich oft nicht gut genug finde, darum bald zehn weitere, die mir auch alle zu schlecht vorkommen, dann lege ich alles weg, finde es kurz vor der Abgabe wieder und bin erstaunt über so tolle Bilder. Sie entstehen oft neben meiner Arbeit an den Büchern und sind gern gesehene Ablenkungen.

Du bist nicht nur Maler, Zeichner und Illustrator, sondern auch Dichter und Gärtner. Man hat das Gefühl, dass diese Bereiche in deiner Kunst untrennbar verbunden sind. Was bedeutet dieses Zusammenspiel, was bedeutet Kunst für dich?

Wenn man also nur das eine Leben hat, dann kann man es ja mehrfach zeitgleich leben. Ich bin alles zur gleichen Zeit und manchmal wechsel ich meine Schuhe. Oder ist das Mähen des Rasens etwas anderes als das Verfassen eines Gedichts? Eines grünen. Tatsächlich bedingt sich alles, wenn alles wirklich zu dir gehört. Dann bist du alles selbst.

Du bist auch als Live-Zeichner und -Illustrator bekannt, betreibst Guerilla Gardening und versteckst Kunst in Steglitz. Was ist für dich reizvoll an so einem improvisierten, spontanen Setting?

Ich liebe und suche das Scheitern, aber es gelingt mir nicht. Also werfe ich mich immer, immer wieder in die Flut. Oft ohne mich vorzubereiten. Ich möchte sehen, was geschieht, und dafür ist das Spontane, die Straße, die Öffentlichkeit eine wunderbare raue Oberfläche. Einfach sein und schauen, was passiert. Wenn man lächeln kann, dann geht das meist gut aus. Ansonsten kann ich als Marathonläufer auch lange weglaufen.

In deinen Bildern spielen Tiere eine besonders große Rolle und du hast einen Blog geführt, der mannwirdhirsch heißt und in dem eine Verwandlung dokumentiert wird. Was hat es damit auf sich? Und kann ein Hirsch Kunst?

Oh, die Tiere. Oder besser: Wir Tiere. Darüber könnte man so viel sagen. Reicht es, wenn ich sage, es sind Leute, Persönlichkeiten, jeder, jede, jedes? Und wenn man nur etwas konsequent ist, dann bedeutet das für mich Respekt und Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Die Realität erscheint etwas furchtbar. Aber so muss das nicht sein und bleiben. Bei meiner Verwandlung ging und geht es auch darum, selbst zu entscheiden, was man ist. Ganz real. Und wenn du ein Rothirsch sein willst, dann kann man das schaffen. Ich hab 18 Monate gebraucht. Wenn du was anderes willst, dann geht das auch. Wenn du das Paradies auf Erden möchtest, dann musst du eben Apfelbäume pflanzen und mit den Tieren reden. Einfache ernst gemeinte Freundlichkeiten zum Anfang werden allgemein gerne gehört. In der Regel kannst du schon nach wenigen Jahren die ersten Äpfel ernten. Und auch Tiere erschaffen wunderbare Kunstwerke. Zum Glück haben sie aber keine Galerien.

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