Sachen mit Wœrtern

Zeitschrift für Literatur und Ähnliches


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Literatur & Kuchen

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Zwetschgendatschi meets Streuselkuchen: Im Rahmen von 48 Stunden Neukölln laden wir auf dem Bürgersteig vor der Buchkönigin zu einem literarischen Kulturaustausch der besonderen Art ein: Unsere Autorin Pega Mund aus München liest zusammen mit den (Wahl-)Berlinerinnen und Berlinern Clemens Schittko, Sofie Lichtenstein und Robert Klages. Dazu gibt es – was sonst? – Kuchen. Herzliche Einladung zum literarischen Kaffeeklatsch! Los geht es um 18 Uhr in der Hobrechtstraße 65 in Neukölln.

Über die Lesenden:

Robert Klages, geboren 1984 in Westfalen, lebt in Berlin. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Córdoba und Berlin. Gründer, Mitveranstalter und Autor der Lesebühne „Sprechstunde:Nebensatz“ in Kreuzberg. Texte und Termine gibt es unter Robert-Klages.de.

Pega Mund, Studium der Psychologie, Germanistik, Kunstgeschichte an der LMU München. Arbeitet als Diplompsychologin im heilpädagogisch-therapeutischen Bereich. Lebt bei München. Schreibt Lyrik, kurze Prosa. Seit Herbst 2014 Beiträge in Zeitschriften, Anthologien, auf Online-Portalen, u.a.: „Der Greif“, „außer.dem“, „Am Erker“, „Der Maulkorb“, „Prolog“, „Cognac & Biskotten“, Frohmann-Verlag, Fixpoetry …

Clemens Schittko, geboren 1978 in Berlin/DDR. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Arbeitete u.a. als Fensterputzer, Lektor, Gärtner und Kirchwart. lauter niemand-Preis für politische Lyrik 2010. Zuletzt erschienen: „Weiter im Text“ (Ritter Verlag, Klagenfurt, 2015). Lebt in Berlin(-Friedrichshain).

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Sub:cultural collectiv:ism

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Sachen mit Wœrtern geht auf Tauchfahrt in subkulturelle Gefilde – und zwar am 4. Juni im Rosi’s Berlin. Die Veranstaltungslabel MAPUberlin und Interferenz laden unter dem Motto „Sub:cultural Collectiv:ism“ zu einem Sommerfest der Subkultur ein: DJ-Vielfalt trifft auf Video-Installation, Kunst und Literatur. Zwischen Biergarten, Kicker und Dancefloor kann hier der Artenreichtum unterhalb des kulturellen Mainstreams bestaunt werden – und gleichzeitig vorm Aussterben bewahrt. Die Expedition beginnt um 21 Uhr mit Texten von Robert Klages, Sofie Lichtenstein, Sören Maahs und Clemens Schittko.

Lesung: ab 21 Uhr (Eintritt: frei)
Party: ab 23 Uhr (Eintritt: 8-10 €)

Hier geht es zu Facebook-Veranstaltung und Line-up.

Über die Lesenden:

Robert Klages, geboren 1984 in Westfalen, lebt in Berlin. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Córdoba und Berlin. Gründer, Mitveranstalter und Autor der Lesebühne Sprechstunde:Nebensatz in Kreuzberg. Texte und Termine gibt es unter Robert-Klages.de.

Sofie Lichtenstein, geb. 1989 Berlin, lebt in Berlin. Veröffentlichte zahlreiche Texte in Zeitschriften und Anthologien (Am Erker, Metamorphosen, manuskripte u.a.). 2015 erschien ihre Erzählung Spontaner Trip nach Sachsenhausen bei SuKuLTuR. Seit Herbst desselben Jahres ist sie Mitherausgeberin der SuKuLTuR-Reihen Schöner Lesen und Aufklärung & Kritik. Unlängst hat sie ihren Roman Die Große Glocke beendet. romantischverklaert.wordpress.com

Sören Maahs, geboren und aufgewachsen in Jena an der Saale hellem Strande. Seit 2007 Student der Kulturwissenschaft, Bachelor of Arts 2027, Taxischein 2028. Lebt und arbeitet in Berlin, Potsdam und im Thüringischen mit seiner Katze, die er bestimmt bald besitzen wird. Genauso viel, wie er gelesen hat, hat er auch wieder vergessen.

Clemens Schittko, geboren 1978 in Berlin/DDR. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Arbeitete u.a. als Fensterputzer, Lektor, Gärtner und Kirchwart. lauter niemand-Preis für politische Lyrik 2010. Zuletzt erschienen: Weiter im Text (Ritter Verlag, Klagenfurt, 2015). Lebt in Berlin(-Friedrichshain).


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Des Pudels Kern: Lesung in der Brotfabrik am 13. Mai

Sachen mit Wœrtern präsentiert die sechste Ausgabe in der Brotfabrik Weißensee – Lesung mit Carla Hegerl, Bernd Lüttgerding, Simone Scharbert und Mikael Vogel

Wenn das Innerste nach außen gekehrt wird, kommen manchmal sonderbare Dinge ans Licht – das wusste schon Goethe. Literatur hat die wunderbare Fähigkeit, sichtbar werden zu lassen, was sonst verborgen bleibt, ob es sich dabei um Pudels-, Erd- und Zellkerne oder um Seelenzustände handelt. Das Literaturmagazin Sachen mit Wœrtern lädt anlässlich seiner sechsten Ausgabe zum Thema „Kern“ dazu ein, diese Magie der Worte in Aktion zu erleben: Im Roten Salon der Brotfabrik Weißensee lesen am 13. Mai ab 19.30 Uhr vier Autorinnen und Autoren der aktuellen Ausgabe – wie es das Thema verlangt mit einem Schwerpunkt auf Lyrik.

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Über die Lesenden:


Carla Hegerl, 1990 geboren, studierte Biologie und Publizistik in München, Schweden und Berlin. Sie erhielt den Marcela-Delpastre-Preis beim poet bewegt 2015.

Bernd Lüttgerding wurde 1973 in Peine geboren, veröffentlichte als Student erste Texte im Salmoxisboten in Bremen und verdiente Geld als Gärtner, Antiquar, mit dem Schreiben von Skripten für TV-Produktionen und der Konzipierung von Dokumentarfilmprojekten. Seit 2008 lebt er in Belgien, wo er in erster Linie Gedichte und Prosa schreibt.

Simone Scharbert ist 1974 in Bayern geboren, Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, Philosophie und Politikwissenschaft in Augsburg, München und Wien; Promotion über die Osterweiterung der EU. 2014 und 2016 zum Literaturpreis Irseer Pegasus eingeladen; lebt und arbeitet als freie Redakteurin und Dozentin für Politische Bildung in der Nähe von Köln. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

Mikael Vogel, 1975 geboren, lebt seit 2003 in Berlin. Vier Gedichtbände sind bislang erschienen: Morphine (Verlagshaus Berlin, 2014), Massenhaft Tiere (Verlagshaus Berlin, 2011), O Wildnis Dunkelheit! – Nachtgedichte (Offizin S. Meran, 2009, bibliophiler Handdruck), Kassandra im Fenster (mit Friederike Mayröcker und Bettina Galvagni, Offizin S. Meran, 2008, bibliophiler Handdruck). 2002 hat er das Hermann-Lenz-Stipendium erhalten, und 2015 ist er mit dem yakiuta-Stipendium nach Hokkaidō, Japan, geschickt worden. Im Rahmen des Stipendiums wird ein Gedichtband mit dem Titel Wasuremono erscheinen. Darüber hinaus wird sein Gedichtband über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Tierarten Dodos auf der Flucht im Frühling 2017 im Verlagshaus Berlin erscheinen.

Eintritt: 6 € / erm. 4 €


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Klein & laut – Literatur im Acidbogen

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Das literarische Quartett war gestern – jetzt wird Lesen indie. Deshalb: runter vom Sofa, rein in den Club! Das Berliner Literaturmagazin Sachen mit Wœrtern lädt in den Acidbogen im KaterBlau zu einer Lesung als Lobgesang auf die Literatur im kleinen Format. Vier unabhängige Literaturprojekte stellen sich vor und sprechen über Chancen und Herausforderungen der Literatur in Heft-Form: die Magazine Metamorphosen (Berlin), mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur (Salzburg) und Sachen mit Wœrtern – Literaturmagazin (Berlin) sowie der Independent-Verlag SuKuLTuR (Berlin). Lesen werden Lisa Viktoria Niederberger, Jannis Poptrandov, Doris Wirth und Karl Clemens Kübler, Letztgenannter aus seiner Übersetzung von Stig Sæterbakkens 23 Notizen über den Alkohol. Mit musikalisch-literarischen Intermezzi von Ivo Lotion.

Einlass: 20 Uhr
Beginn: 20.30 Uhr

Eintritt: 4 – 8 €

Über die Lesenden und Performenden

Lisa Viktoria Niederberger,  geboren 1988 in Linz. Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Salzburg.  Sie arbeitet als Buchhändlerin und Barkeeperin. Veröffentlichung einiger Gedichte und Kurzgeschichten in diversen Zeitschriften, u.a. in mosaik und Bierglaslyrik (Bern). Regelmäßige Auftritte bei Lesungen, im Radio und bei Poetry Slams, u.a. in Linz, Salzburg und Hallein.

Jannis Poptrandov, geb. 1974 in Berlin. Hat in Abwärts! den fünfteiligen General-Zarkos-Epos über den Dritten Weltkrieg veröffentlicht. Andere Texte erschienen in Sachen mit Wœrtern und metamorphosen. Jazra Khaleed übersetzte seine Gedichte ins Griechische für die Athener Literatur Zeitschrift Teflon.

Doris Wirth, geboren 1981 in Zürich, aufgewachsen in Effretikon, lebt mit ihrer Familie in Berlin. Studierte Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie. 2013 erschien der Erzählband Ausgekippt im All in der Edition Thaleia. 2016 wurde ihre Erzählung Kinderspiele bei SuKuLTuR veröffentlicht. Schreibt an ihrem ersten Roman.

Karl Clemens Kübler, geboren 1992 in Basel, studiert Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin und Oslo und ist Redakteur des Literaturmagazins metamorphosen. Für SuKuLTuR übersetzte er Stig Sæterbakkens 23 Notizen über den Alkohol.

Stig Sæterbakken, 1966 in Lillehammer geboren, wurde ab den 90er Jahren durch seine Romane und Essays zu einem der meistbesprochenen Schriftsteller Nordeuropas. Vielfach gewürdigt wurde die literarische Rohheit in seinen Arbeiten, die Geschichten am menschlichen Abgrund, kontroverse Thesen zur Gegenwartskultur und provokative Aktionen versammeln. 2006 gewann er den Osloprisen für Besøket, 2011 wurde er für Gjennom natten mit dem P2 Romanpris ausgezeichnet. 2012 wählte Sæterbakken den Freitod. 23 Notizen über den Alkohol ist die erste Übersetzung eines seiner Werke ins Deutsche.

Ivo Smolak aka Ivo Lotion ist Entertainer, Satiriker und Moderator aus Berlin. Er ist Mitglied der berühmten Berliner Lesebühne LSD – Liebe Statt Drogen und präsentiert dort fast jeden Dienstag einen neuen Song. Als Unterhalter mit Popstargeste kultiviert er seinen Hüftschwung mit einer Stimme, die ihm zum Künstlernamen „Ivo Lotion“ verhalf. Als Moderator und Produzent der Kultshow Lokalrunde – die Show mit Weltniveau kommt er in der gleichnamigen Sendung auf den TV-Schirm. Mit seiner Band Ivo Lotion & die Mariachis bildet er die Showband im WDR Poetry Slam und veröffentlichte die Single Eisenhüttenstadt. Er moderiert die Poetry-Musik-Revue Slam Palast auf Sat1Comedy, die im Berliner Admiralspalast produziert wurde. Die Stücke seiner Band tauchen in diversen Filmen und Videos auf.

 

 


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Lesung in der Lettrétage am 3. März

Kern, Keim, Kraut – Literatur beginnt beim Wort und seinem Wuchern. Welche unvorhersehbaren Richtungen dabei eingeschlagen werden können, verfolgen wir anlässlich des Erscheinens der 6. Ausgabe (Thema: Kern) am 3. März ab 20 Uhr in der Lettrétage in Kreuzberg. Fünf Autorinnen und Autoren aus dem neuen Heft werden dabei sein und auch der Künstler Pètrus °Akkordéon, der über die Zusammenarbeit mit Sachen mit Wœrtern und aktuelle Arbeiten sprechen wird. Es gibt druckfrische Lyrik, Prosa und Zeichnungen zum Anhören, Ansehen und Mitnehmen!

Mit Jonis Hartmann, Pega Mund, Rudolf Nuss, Martin Piekar und Clemens Schittko

Eintritt 5,-€, ermäßigt 4,-€

Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung.

Über die Lesenden:

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Jonis Hartmann ist Autor und Architekt in Hamburg. Studium in Weimar, Kassel und Rom mit Promotion. Letzte Veröffentlichungen: Romanino (2011) und Mondo Kranko (2013), beide bei Chaotic Revelry, Köln. Hamburger Förderpreis für Literatur 2014 für Texte aus Trilogie. Miniaturen, Midiaturen, Maxiaturen.

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Pega Mund, Studium der Psychologie, Germanistik, Kunstgeschichte an der LMU München. Arbeitet als Diplompsychologin im heilpädagogisch-therapeutischen Bereich. Lebt bei München. Schreibt Lyrik, kurze Prosa. Seit Herbst 2014 Beiträge in Zeitschriften, Anthologien, auf Online-Portalen, u.a.: Der Greif, außer.demAm Erker, Der Maulkorb, Prolog, Cognac & Biskotten, Frohmann-Verlag, Fixpoetry

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Rudolf Nuss (oder auch einfach Rudi), geboren am 05.05.1994 in Berlin (Deutschland), Familie aus Balakowo (das liegt in Russland), Lieblingsfarbe: Pastellton. Studiert an der Universität Potsdam Germanistik/Philosophie und erwacht jeden Morgen mit der schrecklichen Angst, eine Kurzvita verfassen zu müssen.

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Clemens Schittko, geboren 1978 in Berlin/DDR. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Arbeitete u.a. als Fensterputzer, Lektor, Gärtner und Kirchwart. lauter niemand-Preis für politische Lyrik 2010. Zuletzt erschienen: Weiter im Text (Ritter Verlag, Klagenfurt, 2015). Lebt in Berlin(-Friedrichshain).

 

 

 


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Teile und Herrsche. Ein Gastbeitrag von Stephan Groß

Jetzt war mit einem Mal dieser Albtraum vorüber, und an seine Stelle trat die helle und tröstliche Aussicht, ein oder zwei zerschmetternde Schläge könnten den Krieg beenden … Ob die Atombombe anzuwenden sei oder nicht, darüber wurde überhaupt nicht gesprochen. − Winston Churchill

 
Den Befehl zum Einsatz der neuen Waffe gab US-Präsident Harry S. Truman, Nachfolger des am 12. April 1945 verstorbenen Franklin D. Roosevelt, im Haus Erlenkamp in Potsdam, wo die amerikanische Delegation während der Potsdamer Konferenz Quartier bezogen hatte. Truman, früher Roosevelts Vizepräsident, hatte bis zum Amtsantritt keine Kenntnis vom „Manhattan-Projekt“, der Entwicklung der Atombombe. Das Motiv für den Einsatz der Bomben war, Japan möglichst schnell zur Kapitulation zu bewegen und so den Krieg zu beenden. Einerseits befürchtete Truman, dass die Sowjetunion Forderungen auf japanisches Gebiet stellen würde, andererseits, dass die geplante amerikanische Landung auf den japanischen Hauptinseln viele Opfer unter den US-Soldaten fordern würde. Zum damaligen Zeitpunkt waren noch große Gebiete Asiens von Japan besetzt. Trumans Entscheidung wird noch immer stark und emotional diskutiert. Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 92.000 Menschen sofort – fast ausschließlich Zivilisten und von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter. (Wikipedia)

Die legendäre, historische, echte Truman-Show: „Die Kraft, aus der die Sonne ihre Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten.“ Mit diesen Worten informierte Truman die Welt über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. „Sonne“ wie in „in der Sonne gereifte Kirschen“. Hiroshima, mon amour, Hiroshima, mon chéri, Hiroshima, mon cherry tree. Kurosawas Held in Bilanz eines Lebens (Alternativtitel: Ein Leben in Furcht) hat nach dem Atomschlag an der japanischen Kirschblüte allerdings keine Freude mehr. Der Protagonist erleidet einen kleinen Knacks, glaubt sich im All und hält die Sonne für die brennende Erde. Deshalb ist Japan auch als das „Land der aufgehenden Sonne“ bekannt. Es werde Licht. Die Entstehung der Erde und des Menschen. Die Entstehung des Lebens durch fortgesetzte Teilung. Der Vergleich Kernspaltung − Zellteilung. Wo etwas sich auf der einen Seite genau die notwendige Zeit nimmt, um sukzessive eine hochkomplexe Struktur aufzubauen, fliegt dort im Nullkommanix einfach alles auseinander; was im Weg steht, wird weggeblasen. Die Reste des Vorgangs strahlen munter praktisch bis zum Jüngsten Gericht weiter und überbringen jedem Stück organisiertem Leben, dem sie begegnen, die frohe Botschaft von Kafkas Schutzmann: Gibs auf.

Deutschland zerfliegt auch völlig, noch fröhlicher als zu Zeiten der Fürstentümer. Heute gibt es so viele Deutschlands wie Deutsche und jeder kann in seinem Kokon sein eigenes kleines Reich zu Tode verwalten. Leider bleibt es dabei nicht, sondern die Partikel fliegen in alle Welt und zersetzen überall, wo sie auftreffen, alle gewachsenen Strukturen. Man denke nur an Krauss-Maffei Wegmann. Da freut man sich doch über jeden Rohrkrepierer, wie beim Schützenfest in Marsberg, wo der Startschuss zum Todesschuss und Abschiedssalut mutierte, da der Schützenkönig durch ein Kanonenschrapnell niedergestreckt wurde. Oder Fliegerbomben in Oranienburg, was uns wieder auf die Spur der legendären Zerfallsprozesse führt, die der Zweite Weltkrieg hervorrief und die noch immer die Fantasie der Menschen in Ost und West beflügeln. Der japanische Verteidigungsminister Fumio Kyūma trat 2007 zurück, nachdem er in einer Rede vor Studierenden gesagt hatte, die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki „hätten nicht vermieden werden können“, weil sie Japan „ein Schicksal wie Deutschland erspart“ (gemeint war die deutsche Teilung) und die Kapitulation beschleunigt hätten. Weite Teile der japanischen Gesellschaft, die Medien und die Opposition hatten ihre Empörung geäußert und Druck auf den Politiker ausgeübt. Noch ein bisschen empörender allerdings das Vorgehen der japanischen Atomlobby nach Fukushima. Vernichtung eines Teils der isolierten, als asozial diffamierten Unterschicht durch Arbeit im verstrahlten Gelände.

Die zuviele zivile Nutzung der Kernenergie: Auch in Deutschland sterben Atomarbeiter deutlich häufiger als die übrige Bevölkerung an Leukämie, Lungen- und Gehirnkrebs, Magen- und Darmkrebs, Prostatakrebs sowie der Hodgkinschen Krankheit. Dazu kommen die genetischen Strahlenfolgen. Das Risiko, dass ihre Kinder an Missbildungen oder Erbkrankheiten leiden werden, ist erheblich größer als für andere Kinder. Leih- und Fremdarbeiter setzen in Nuklearbetrieben ihr Leben aufs Spiel und werden von der Industrie gezielt als Strahlenfutter verbraucht. Bei gefährlichen Arbeiten wurden, so Günter Wallraff, zumeist Gastarbeiter türkischer Abstammung „in die Strahlen geschickt“ und, wie es im Kernkraft-Jargon heiße, systematisch „verheizt“. Denn die Industrie kalkuliere „von vornherein einen bestimmten Prozentsatz Toter“ fest ein. Mit derselben Chuzpe siedelte man in den sechziger Jahren die Westberliner Gastarbeiter bewusst in Neukölln und im Wedding an, damit sich die Rote Armee bei einem etwaigen Vorrücken erst mal durch einen Gürtel von „Türkenleibern“ hätte schießen müssen.

Wallraff hatte sich zunächst beim Kernkraftwerk Würgassen beworben, einem der ältesten Nuklearbetriebe der Bundesrepublik, der zugleich auch als einer der anfälligsten galt. Doch dann bekam der Journalist „Angst vor einem viel zu langsamen, von Strahlenkrebs zerfressenen Dahinsiechen“. Würgassen: Eine Anlage mit einem klaren, eleganten Schwung ins pittoreske Weserbergland gemalt. Ihre Lage im Dreiländereck von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ermöglichte der Statistik die Teilung des Wirkbereichs und damit die Unterdrückung und Unterschlagung der statistischen Häufung von strahlenbedingten Gesundheitsschäden.
Interessiert die breite Masse so sehr wie die ortstypischen Kuhfladen: einen Scheiß. Der Scheiße an sich wird keiner einen großen Informationswert beimessen außer irgendwelchen Zoologen der NSA, die die Lebensumstände der Tiere rekonstruieren müssen, um sich selber besser zu verstehen.

Des Pudels Kern im Kot. Obstkerne in der Scheiße. Errungenschaft der Evolution: Bäume spekulieren darauf, dass die Kerne von den Obst fressenden Tieren verschleppt werden, um die Spezies zu verbreiten. Nehmen wir zum Beispiel einen Haufen Kirschkernkot. Steinmarder. Sicher. Auch wenn kein Kirschbaum in der Nähe ist. Er geht weit, um an Kirschen zu kommen. Japan erreichten sie nicht rechtzeitig, aber jetzt kommen die Russen in Form von atombetriebenen sibirischen Monstersteinmardern, um endlich den Betonzylinder an der General-Pape-Straße zu sprengen, Symbol des letztlich auch ukrainischen Faschismus. Geht das nicht zu weit? Die Bedrohung existiert schließlich nur in den Köpfen, wie das bayrische Superhirn Franz Josef Strauß auf dem Höhepunkt des Wahns erkannte. So fiktiv wie die wohl 650 Millionen Euro, die über das Schweizer Konto seines Landsmanns Hoeneß wanderten, bevor dieser in den Bau wanderte. Krauss-Maffei Wegmann (Sitz in München)? Verknackt aber nur nach Maßgabe eines dokumentierten Bruchteils dieser Summe. Also kommt der verkackte verknackte Nager bald wieder aus seinem Bau und die ganze Scheiße geht von vorne los. Aber wir wollen ja keine Haare spalten, sondern Kerne.

 

Stephan Groß (*1979 in Höxter, NRW) lebt und arbeitet in Berlin. 1999–2005 Studium der Kunst und Mathematik an der Universität Bremen u.a. bei Frieder Nake. Autor, Künstler, Filmemacher. Seine Filme liefen im ZKM Karlsruhe, im FACT Liverpool, beim internationalen Kurzfilmfestival Hamburg, beim K3 Filmfestival Villach und in verschiedenen Nationalmuseen und -galerien.