Sachen mit Wœrtern

Zeitschrift für Literatur und Ähnliches


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Von Aggregatzustandsänderungen und Riesenalken: Lesung im ORi

Langsam klingt der Sommer aus – und langsam wird auch unsere Dunst-Ausgabe alt. Am 18. September hatten beide jedoch noch einmal ein kleines, aber fulminantes Revival: Auf dem Gehweg vor dem ORi drängte es sich, weil alle noch bis zum letzten Moment die Milde des Abends genießen wollten, es war ein richtiger Sommerabend, auch wenn es unpassend früh dunkel wurde, aber sonst passte alles: Stühle auf der Straße, entspannte Gespräche, die unerlässlichen trägen Wirbel von Zigarattenqualm. Das Wetter stimmte genießerisch.

Die gemütlichen Sessel des ORi luden zum Zuhören und Nachklingen Lassen ein, bessere Bedingungen hätte man sich nicht wünschen können. Jannis Poptrandovs sarkastische Zuspitzungen ließen Welten aufeinanderprallen, Hartz IV und Vea Kaiser, Krieg und Extrawünsche beim Schuhkauf. Kathrin Bachs Lyrik fesselte mit eindringlichen Bildern, einer kraftvollen, fast den Atem anhaltenden Sprache. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die seltsam fremd anmutende Eleganz und Signifikanz, die dem Wort KOOG innewohnt. Valentin Moritz entführte dagegen mit Kurzprosa in eine südamerikanische Mine, zu kokablattkauenden Bergleuten und dem Standbild des Tío, den sie verehren, ein touristischer Ausflug, unterbrochen von einem bizarr-banalen Moment des Kontrollverlusts in der ewigen Nacht des Bergwerks. Den Aggregatzustand änderte unablässig Simone Schaberts Lyrik, alles Bewegung, Klang, überraschende Bilder in schimmernden Wortneuschöpfungen – sturzbächern, wässern.  Zum Abschluss ließ Mikael Vogel ausgestorbene Tierarten wie den Riesenalk lyrisch wiederauferstehen, weniger sie selbst grotesk als der Blick, den die Menschen ihrer Zeit auf sie warfen.

Für diesen schönen Abend danken wir allen, die mit dabei waren! Besonders danken wir natürlich den lieben Menschen vom Projektraum ORi und der Lesebühne Ich fang nochmal an.

 

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Verlängerung der Einsendefrist für Texte zum Thema STROM bis zum 30. September 2014!

Das Thema unserer fünften Ausgabe ist STROM. Strom zum Beispiel im Sinne von Fluss, Strömung, Stromkreis, Bewusstseinsstrom, unter Strom stehen, Strom sparen, in Strömen regnen, Spannungsquelle, Geström, Ökostrom, Besucherstrom, mit dem bzw. gegen den Strom schwimmen, Gleich- und Wechselstrom, Schreibfluss, Fließtext, elektrisches Feld, Stromschlag, Datenstrom, Meeresströmung, Strömungsmechanik, Fahrwasser, Sog, Drift …

Alle Texte (Lyrik und Prosa), die sich inhaltlich mit diesem Themenfeld befassen, sind willkommen, sollten jedoch 1500 Wörter (ca. 7100 Zeichen ohne Leerzeichen) nicht überschreiten.

Texteinsendungen zum Thema STROM bitte bis zum 30.09.2014 an: sachenmitwoertern@mail.de. Wir freuen uns auf eure Einsendungen!

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Electrophorus electricus

 


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Hallo Herbstnebel: Lesung am 18. September im ORi

Abendnebel, Raucherbereiche in Fortbildungscentern, Gischtkröten und Dunstabzugshauben: Um metaphorische und weniger metaphorische Schleier und andere Arten von Unschärfe geht es in der vierten Ausgabe von Sachen mit Wœrtern. Hier zeigt sich, was das unscheinbare Titel-Thema „Dunst“ zu bieten hat, und das nicht nur aus dem Blickwinkel literarischer Beiträge und Interviews, sondern auch in den Illustrationen des Künstlers Petrus Akkordeon.

Zu einer Kostprobe aus diesem buntgemischten Heft laden wir am 18. September ein – denn Sachen mit Wœrtern ist zu Gast bei der Neuköllner Lesebühne im ORi. Wir freuen uns auf Lyrik und Prosa von Kathrin Bach, Nina Dähn, Valentin Moritz, Jannis Poptrandov, Simone Scharbert und Mikael Vogel!

Los geht es am 18. September um 20.30 Uhr, und zwar im urgemütlichen ORi in der Friedelstraße 8 in Berlin-Neukölln.
Über die AutorInnen:

Kathrin Bach wurde 1988 in Wiesbaden geboren und studierte u. a. Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim. Sie schreibt Lyrik und Prosa und war Finalistin beim Prosanova-Wettbewerb 2011. Beiträge von ihr erschienen in Landpartie, poet und Wortwuchs.

Nina Dähn, 1977 in einer niedersächsischen Kleinstadt geboren, studierte in Berlin und Göttingen und schloss mit einem Diplom in Psychologie ab. Sie schreibt Lyrik und Prosa.

Valentin Moritz wurde 1987 in Niederdossenbach im Südschwarzwald geboren. Er studierte Germanistik, Hispanistik und Literaturwissenschaft in Berlin. Seitdem ist er auch auf kleineren Berliner Lesebühnen zu Hause – als Gast, Organisator und als Lesender.

Jannis Poptrandov, 39 Jahre alt, halb Grieche, halb Bulgare, geboren im Berliner Urban-Krankenhaus. Nach Rumgetingel durch die halbe Stadt nun wieder in Kreuzberg wohnhaft, keine Ahnung, wie er das geschafft hat. Hier und da kleine Veröffentlichungen, etwa in der Zeitschrift Abwärts!.

Simone Scharbert, 1974 im bayerischen Aichach geboren, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur in München, Augsburg und Wien. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von Köln, Beiträge von ihr erschienen in Entwürfe und bei Poetenladen.

Mikael Vogel, 1975 geboren, lebt in Berlin. Im Verlagshaus J. Frank, Berlin, erschien im März 2014 sein vierter Gedichtband Morphine. Zur Zeit arbeitet er an einem neuen Gedichtband über ausgestorbene Tierarten: Dodos auf der Flucht.